Jergn on November 13th, 2013

Das Jahr war ein langes und buntes, obwohl es zunächst so ausgesehen hatte, als ob es etwas ruhiger würde. War aber nicht. 80 Gigs mit 22 unterschiedlichen Formationen haben mich ordentlich auf Trab gehalten. Da sind die Kombinationen, die sich bei diversen Jams ergeben haben, nicht gerechnet. Dabei sind gerade das auch die interessantesten Erlebnisse: So neulich gleichzeitig, konstruktiv und wie ich finde wohlklingend auf einer Bühne mit Mathew James White, Robert Carl Blank (ich muß mir auch einen zweiten Vornamen zulegen), Tom Ripphahn, Wulli Wullschläger & Sonja Tonn, Slavko Hilvert, Filip Hilvert. Das war echt ein Brett – beim Concert for Chris Jones in Wolfenbüttel, ebenso wie der Slot mit Brixelenz. Oder mit Janet M. Christel und Udo Schwendler in der BR-Medienakademie, angehende Toningenieure ärgern. Oder mit Rudi Madsius und Band beim Strohalmbenefiz. Oder die Laubensession mit Pilger und Steff Porzel. Oder oder oder.

Das musikalische Jahr 2013

Also möchte ich mich doch mal öffentlich bedanken bei all den Auftraggebern, die mir dieses Jahr zu Brötchen verholfen waren, als da wären in alphabetischer Reihenfolge (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

All You Need Is Love
Amarillo
Birgit Endres Band
Britta T & Band
Just Coutry Light
Mountarillo
Ronny Nash Band
Sebbo
Skyline Riders
Strohalmband
Texadillos
Texas Rooster
Travis Truitt & Band
Ulla Wolf Band
Washboardbellies
Wilder Pilger
Wulli & Sonja

Hoffen wir mal, daß das nächste Jahr genauso bunt wird! Auf zu neuen Ufern.

 

Jergn on Februar 27th, 2013

Als Sideman (nicht nur) der sechssaitigen Fraktion wird man ja von den ausführenden Organen der schreibenden Zunft gerne mal unterschlagen. Das ist eben allgemeines Berufsrisiko.

Der Fokus des Interesses der Massen liegt natürlich auf dem Text in Tönen absondernden Individuum in der Mitte der Bühne (vulgo: “Frontman”). Dessen Beurteilung wird in unzähligen Castingshows vorexerziert – der Rest des musikalischen Fußvolks firmiert unter Beiwerk.

Bandsound ist natürlich Teamwork. Der musikalisch und musiktheoretisch unvorbelastete Zuhörer bewertet immer das *summierte* Ergebnis dessen, was der lobotomierte Bassist, der hyperaktive Drummer, der verkopfte Keyboarder und der schizophrene graubärtige Dudelfreak an der Gitarre von sich geben. Und *wehe* sie kommen dem Vokalkonsonantemittenten in den Weg.

Aber: so soll es ja auch sein. Vom Kritiker hingegen wäre eigentlich mehr zu erwarten. Sein Job wäre es, aus einer kompetenten Position heraus eine Bewertung abzugeben, die Gutes und Schlechtes benennt und für den Leser verständlich darstellt – und am Ende ein Fazit zu ziehen, das subjektiv sein darf und muß.

In meiner gesamten Laufbahn habe ich aber kaum eine Kritik über Produktionen gelesen, an denen ich beteiligt war, die im Rahmen der natürlich im Print knapp, aber in Blogs reichlich zur Verfügung stehenden Zeilen auch nur  halbwegs differenziert auf die Einzelleistungen abgehoben hätte. Ich denke, es wäre durchaus einmal an der Zeit, daß Musiker Kritiker in einem öffentlichen Forum beurteilen – und die Freikarten zu Konzerten nach Qualifikation vergeben werden. Fliegende Bleistifte, verwehte Notizblöcke (if any)…

Aber das ist ja nur der Wiederschein der Rezeption, der auf dem gemeinen Gitarristen dieser Tage lastet. Speziell Gitarrensoli generieren heutzutage ähnlich viel Aufmerksamkeit wie ein leerer Baustellenbierkasten – oder ein Bassolo.  Sofern man nicht gerade

  • die Miene zur Fratze verzieht (gähn),
  • mit Biergläsern Slide dilettiert (gääähn),
  • auf den Knien spielt (gääääähn),
  • auf dem Rücken liegend über die Bühne robbt (Unterkiefer durch Gähnen ausgekugelt) oder
  • sich auf der Bühne mit Kerosin überschüttet und anzündet (die erste Reihe unterbricht immerhin kurz das angeregte Gespräch)

kann man die Hoffnung auf einen bleibenden Eindruck eigentlich auch gleich begraben. Der musikalische Nährwert solcher Übersprungshandlungen ist eh gleich Null und ruiniert nur die Klamotten – deren Säuberung die Bilanz des Gigs weiter ins Minus treiben würde.  Aber: Sind Pressevertreter vor Ort, wären diese Verzweiflungsmaßnahmen üblicherweise der einzige Weg in einen Nebensatz des Musikernirwanas – der Kritik. Leider ist das komplett unabhängig davon, ob der Delinquent tatsächlich etwas zu sagen hat.

Gestaltung des Arrangements durch Abwesenheit von sinnlosem Genudel und die Erzeugung von “Luftigkeit” im Sound durch sparsames Spiel ist ebenfalls nicht gerade pressewirksam. Das ist wie mit den Löchern im Emmentaler, die will auch keiner zahlen.

Instrumentale Leistungen wahrzunehmen und zu kommentieren erfordert vom Schreibenden eine gewisse musikalische Mindestkompetenz, die nicht immer (räusper)  gegeben ist. Viele beherrschen nicht mal *ihr* Metier, angefangen bei  Orthographie und Grammatik (was seit der Wegrationalisierung der Berufssparte “Lektor” den Älteren unter uns ab und zu auffällt). Da erschöpfen sich “Kritiken” dann schnell mal in der Wiedergabe der Setlist und dem Lob an die Küche der jeweiligen Location.

Duoformationen haben also für einen Sideman – schon rein mathematisch gesehen – eher mal Pressepotential. Tendenziell ist die nachstehende Kritik hier etwas sehr euphorisch ausgefallen, was meine Person betrifft, wie ich finde – aber der Mensch freut sich. Lieber so als ein Verriss. (Note to self: Gagenforderungen  im Halm umgehend verdoppeln, dann sind die Portokosten für ein Jahr Finanzamtskorrespondenz endlich gedeckt). Immerhin hat sich der Kritisierende das Konzert über die volle Länge angetan.

Und Kritiken sind ja auch immer Feedback und Maßstab – und man braucht sie für die Pressemappe. (Blödsinn. Isch ‘abe gar keine Pressemappe.) Der Mensch im allgemeinen und der Gitarrist im besonderen ist als akustischer Exhibistionist nun mal eitel und geltungsbedürftig. In so fern sei es mir gestattet, eine Kritik anzuhängen, die mich als “einen der genialsten und vielseitigsten Gitarristen Deutschlands” feiert – und mich somit in eine Reihe mit Ricky King und Rudi Buttas stellt. Oder so ähnlich. Man sagt mir immer wieder, ich könnte mit Lob nicht umgehen. Dies ist mal ein Versuch.

Hier also das Wolfenbütteler Schaufenster über ein wirklich geiles Konzert mit Florian Baessler vom Februar 2013 – die ausgezeichnete Kritik ist vollkommen berechtigt, wie ich finde. Die Begründung ist allerdings mangelhaft, die Recherche lückenhaft. Aber: Egal. Ich bin stolz wie Bolle. Wir haben den Abend gerockt. Wir haben sie nass gemacht. Braucht jemand einen Presseausweis? Freikarten? Backstagepässe? Contact me! Ich bin fast unbestechlich.

Jergn on Februar 19th, 2013

Lange war ja nun Pause mit Neuigkeiten. Das lag zum einen daran, daß es nichts wirklich Neues zu vermelden gab. Die üblichen Gigs mit den üblichen Verdächtigen in den üblichen Locations. Zum anderen war ich damit beschäftigt, mich darauf vorzubereiten, ein überaus komisches Gefährt quer durch die Republik zu treten. Das habe ich im Januar dann auch getan. Für ein paar Monate hat die Musik in meinem Leben mal nicht die allererste Geige gespielt – eine erfrischende Erfahrung. Damit ist es jetzt aber auch wieder gut.

Die jährliche Kultursenke – auch als Fasching bekannt – ist im Gegensatz zur Eurokrise nun durchschritten, Pferdefleisch ist in aller Munde, der Papst dankt ab, der Strohalm schrammt mal wieder an der Pleite vorbei – die Welt dreht sich weiter, und auch auf mich kommt Neues zu.

Da wäre zunächst der Gig in Wolfenbüttel beim legendären Blue Note e.V. mit dem Wilden Pilger am 23.2.  in der Komisse, auf den ich mich sehr freue. Eine Chance für die Nordlichter, so weit hinauf komme ich erst im Sommer wieder. Kontrastprogramm die Woche drauf: Ich habe das Vergnügen, das erste Mal bei den Fabulous Texadillos aushelfen zu können – in Oberbayern, im Okee Dokee in Au/ Hallertau. Knochentrockener Texas Honky Tonk, yeah.

In der Woche darauf wird hoffentlich der Strohalm gerettet.  Am 8.3.2013 findet  ein großes Benefizkonzert in der Erlanger Hugenottenkirche statt – mit Greg McKoy, Thomas Fink, Günter Stössel, Rudi Madsius, der Strohalmband und vielen anderen! Hingehen, es lohnt sich sicher – und ist eine gute Tat für einen der wenigen Plätze in der Region, wo Musik nicht aus der Dose kommt, sondern mit der Hand frisch zubereitet in die Gehörgänge gefüllt wird.

 

Vom 14.3 bis zum 17.3. gibt es dann eine Minitour mit WilderPilger Deluxe, auf die ich mich enorm freue. Viel zu selten sind wir in voller Bandformation unterwegs:

14.3. Strohalm Erlangen
15.3. Mojow Bamberg
16.3. Jungeggers Schwabach
17.3. Kulturfabrik Roth

 

Und last, aber natürlich nicht least geht es am 30.03.2013 mit Amarillo mal wieder ins Four Corners in Untermeitingen bei Augsburg. Das Four Corners ist ein toller Club, der in Untermeitingen bei Augsburg etwas abseits meines üblichen Einzugsgebietes liegt, aber die Fahrt lohnt sich jedes Mal – tolle Atmposphäre und ein tolles Publikum. Und mit Amarillo dem New- und NotSoNew-Country zu frönen ist immer wieder schön. Also bis irgendwann irgendwo im Februar oder März.

Jergn on Oktober 5th, 2012

Der Herbst hat begonnen. Nachdem meine Hauptauftraggeber sich schon in Winterstarre befinden, hinterm Ofen vor sich hin dösen, endlich die Steuer der letzten 5 Jahre machen oder mit Duoprojekten über die Käffer tingeln und Wundermedizin verticken, sieht es in meinem Gigkalender ziemlich desolat aus. Wer also etwas musikalisch Interessantes und/oder Lukratives am Start hat – ich bin interessiert bzw. käuflich. Freie Termine kann man sich auf meiner Website angucken. BUCH MICH AN. Oder so ähnlich. Schnelle flexible Einarbeitung, mürrisches Wesen und 130000 Jahre Erfahrung sind doch ein Wort?

Jergn on August 31st, 2012

Jetzt ist er wieder vorbei, der Sommer – auch wenn uns aus meteorologischer Sicht noch ein paar Tage bleiben. Vorbei ist auch die Open-Air Saison, die dieses Jahr ein paar schöne Highlights für mich in Petto hatte. Von den vielen tollen Gigs sind mir ein paar ganz besonders im Gedächtnis geblieben.

Wie immer hat es am Bardentreffen Riesenspaß gemacht. Die Besetzung um Birgit Endres spielt genau einmal im Jahr – immer am Bardentreffen und bringt Spielfreude pur.

Klasse auch der Gig mit Wilder Pilger Deluxe am Fürth Festival, wo wir die neue Scheibe vorgestellt haben – mit dem Erfolg, daß wir für 2014 als Headliner gebucht wurden. Ist doch mal eine nette Bestätigung. Und eine tolle Truppe. Freumich auf die nächsten (leider seltenen) Gigs – und die nächste CD! Aber wir arbeiten daran, Alexandra davon zu überzeugen, daß es in Franken schöner ist als in Köln. Foto übrigens von cladografie.de

Eine ganz außergewöhnliche und atemberaubende Kulisse gab es beim Gig mit der Mark Bender Band  im Naturtheater Greifensteine beim dortigen Festival. Obernette Kollegen, eine sehr ordentlicheOrganisation, kompetente Tontechnik, vernünftiges Catering und nicht zuletzt Kaiserwetter ergaben einen richtig guten Gig und demzufolge auch einen hochzufriedenen Gitarristen. So muß es sein. Darüber hinaus eine Heimfahrt bei Tageslicht durch den Thüringer Wald – sehr idyllisch. Ein umwerfendes Gesamtpaket.

Immer wieder schön auch der Gig mit Mountarillo beim Tucher Blues und Jazz Festival Bamberg. Im Prinzip ist hier das gleiche zu sagen wie über den Gig in Greifensteine. Texas Music und Honky Tonk in einer relaxten Mischung. Was mich besonders gefreut hat: Die neue Gretsch Squareneck Dobro hat ihren ersten Einsatz auf der Bühne bravurös hinter sich gebracht. Resonatorgitarren im Bühnenbetrieb sind ja alles andere als einfach zu handhaben und quittieren Verstärkungsversuche via Mikro und/oder Pickup gerne mit unwilligem Gehupe und ärgerlichen Pfiffen. Nicht so die Gretsch mit dem Fishmansystem. Und Klasse klingt sie auch noch. Danke für das Foto an highandmusic !