Den ganzen März spielte sich mein musikalisches Wirken erheblich tiefer ab als üblich. Nein, ich bin natürlich nicht ins Lager der Bassisten desertiert. Vielmehr hatte ich das ausgesprochene Vergnügen, vierzehn Vorstellungen von Monty Pythons „Spamalot“ aus dem Orchestergraben heraus begleiten zu dürfen. Und ein Vergnügen war es wahrlich auf mehreren Ebenen. Es war ein Vergnügen, mit der überaus netten und sakrisch kompetenten Band zu spielen. Es war ein Vergnügen *hüstel*, mal wieder vom Blatt zu spielen – wenigstens, als ich erstmal meine eingerosteten Blattlesekenntnise wieder halbwegs aufpoliert hatte. Höchst vergnüglich war es auch, mit drei Augen alle für den guten Ton nötigen Informationen zu sammeln: Eines der Augen richtet sich aufs  Notenblatt, eines auf den Kollegen, der die Einsätze gibt und eines auf das Bühnengeschehen.

 

Und der Gipfel des Vergnügens war es, dem hervorragenden Ensemble bei der Arbeit zuzusehen. Mehr als einmal habe ich den Einsatz verpasst, weil ich lachen mußte wie ein volles Theater. Apropos volles Theater: Alle Vorstellungen waren ausverkauft oder fast ausverkauft. Was weiter meine Laune weiter gehoben hat, war die Tatsache, daß für vierzehn Vorstellungen nur zweimal auf und abgebaut werden mußte. Und daß ich nur 15 Minuten Fahrt zum Spielort hatte. Und daß das Theaterpublikum nicht die Eigenart hat, einem nach der ersten Pause betrunkenerweise auf die Schuhe zu kübeln, um einem dann in einer Fuselwolke den Arm um die Schulter zu legen und zu erzählen, daß der Sohnemann auch Gitarre spielt. Und. Und. Und.

Blöderweise hat die niegelnagelneue Intendanz für die nächste Spielzeit das komplette kündbare künstlerische Personal gefeuert, so daß ich für das zum Scheitern verurteilte Modell „Ständig Ausverkauftes Haus durch Musical“ und somit auch meine Teilnahme daran leider keine Zukunft sehe. Soll heißen: Ich verstehe nicht, warum man einen Kassenmagneten amputiert. Aber so ist das mit der Sicht aus dem Graben heraus. Vielleicht fehlt mir das vierte Auge für die großen Zusammenhänge.

Jedenfalls war ich dabei, als sich dieses Ensemble  das Herz aus dem Leib getanzt und gespielt hat, als wäre es das letzte Mal. Weil es eben das letzte Mal war. Und jetzt Schluß mit dem Gesinge.

Dank für die tollen Bilder an Thomas Bachmann

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