{"id":1643,"date":"2011-11-02T15:46:03","date_gmt":"2011-11-02T14:46:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juergenhoffmann.net\/?p=1643"},"modified":"2018-05-23T09:03:23","modified_gmt":"2018-05-23T08:03:23","slug":"blode-glotzend-leise-sabbernd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/?p=1643","title":{"rendered":"Bl\u00f6de glotzend, leise sabbernd"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/wp-content\/hcg-sb-0-front.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1642\" title=\"hcg-sb-0-front\" src=\"https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/wp-content\/hcg-sb-0-front.png\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"520\" srcset=\"https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/wp-content\/hcg-sb-0-front.png 240w, https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/wp-content\/hcg-sb-0-front-138x300.png 138w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Ich habe wie auch letztes Jahr \u00fcber zwei Tage verteilt mehrere Slots auf der Countrymesse gespielt, und in den ewigen Spielpausen h\u00e4ngt man dann eben auch bei den Jungs von H\u00f6fner ab, schnorrt Salzstangen\u00a0und befingert, was so rumsteht. Letztes Jahr hatte ich dann eine Verithin CT im Gep\u00e4ck, als die Messe vor\u00fcber war. Dieses Jahr hatte ich den festen Vorsatz, nicht schon wieder Geld zu versenken.<\/p>\n<p>(Nichtgitarristen k\u00f6nnen jetzt zum letzten Absatz springen, ohne etwas zu verpassen)<\/p>\n<p>Na ja, es hat nicht sollen sein. Und dann ist es nat\u00fcrlich auch noch ein in Deutschland gefertigtes Modell geworden. Wobei die H\u00f6fner Club 50 wirklich ganz anders ist als alles, was ich bisher in den Fingern hatte.<\/p>\n<p>Das f\u00e4ngt schon mal bei der schrulligen Mensur von 25 1\/4 an &#8211; also in der Mitte zwischen Fender (25,5) und PRS (25),<br \/>\nGewicht: Keines, treibt schwerelos vor dem Bauch. F\u00fchlt sich jedenfalls so an.<br \/>\nDann haben wir einen Ahornvollhohlkorpus mit Fichtendecke, mit makelloser Nitrolackierung &#8211; kleiner als ein Paulakorpus.<br \/>\nEbenholzgriffbrett, Nullbund, eingeleimter Hals, Ahorn\/Buche\/Ahorn. Der Hals ist &#8220;schwebend&#8221; ausgef\u00fchrt, \u00e4hnlich wie bei einer Geige.<br \/>\nZwei &#8220;Bar&#8221;-Pickups, h\u00f6henverstellbar &#8211; Humbucker mit SC-Formfaktor.<\/p>\n<p>Klang: komplett anders als alles, was ich je angefasst habe. \u00dcberraschend. Und &#8211; wie ich finde &#8211; grandios.<br \/>\nWie beschreibt man so etwas&#8230;. beginnend bei der H\u00fcllkurve: Antritt ist mit der schnellste mir bekannte \u00fcberhaupt. Sehr deutlicher Anschlag. Sustain ist eher mittelpr\u00e4chtig, aber gleichm\u00e4\u00dfig und nicht schlecht.<br \/>\nKlang: Riesig, raumgreifend, immer transparent und *extremst* von Anschlag und Tonformung abh\u00e4ngig. So einen &#8220;tiefen&#8221;, wandelbaren Ton kannte ich bis dato nicht. H\u00f6hen sind reichlich und dabei angenehm da, mit fast akustischem Touch. B\u00e4sse sind gro\u00df und pr\u00e4zise, Gitarre im besten Sinne.<\/p>\n<p>Spielgef\u00fchl: Zickig, die Gute. Technisch anspruchsvoll. Sauber intonieren will gelernt sein, und wer die Grundlagen vergessen hat, wird hier nachdr\u00fccklich daran erinnert, sich doch bitte mal wieder damit zu besch\u00e4ftigen. Ich wei\u00df nicht wirklich, woran das liegt. Ich hatte schon k\u00fcrzere Mensuren, die da unkomplizierter sind. Mit den werksseitig installierten 10er Pyramids mu\u00df man sehr aufpassen, nicht irgendwie zu &#8220;verziehen&#8221;.\u00a0\u00a0B\u00fcnde: keine Ahnung, vielleicht einen Tacken h\u00f6her als 6105er Dunlops. Keine Lagenmarkierungen an der Seite des Halses, was zusammen mit der ungewohnt kleinen Form bei den ersten gr\u00f6\u00dferen Lagenwechseln unweigerlich ins Fiasko f\u00fchrt.<br \/>\nDiese Zickigkeit ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist eine f\u00fcr mich in *dieser* Auspr\u00e4gung einzigartige Formbarkeit des eh schon einzigartigen Tons. Mir ist jedefalls auf das heftigste die Kinnlade heruntergefallen, w\u00e4hrend die Ohren locker an Spiralfedern um den Kopf pendelten.<a href=\"https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/wp-content\/hcg-sb-0-seite.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1641 alignright\" title=\"hcg-sb-0-seite\" src=\"https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/wp-content\/hcg-sb-0-seite.png\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"520\" srcset=\"https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/wp-content\/hcg-sb-0-seite.png 240w, https:\/\/www.juergenhoffmann.net\/wp-content\/hcg-sb-0-seite-138x300.png 138w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><br \/>\nProbiert habe ich bis zum heftigen Crunch, welcher einen mit Ohrfeigendirektheit anspringt, die Ihresgleichen sucht. Uff.<\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung der offenen Reihenmechaniken ist ungewohnt, man ist schnell mal \u00fcber den Punkt dr\u00fcber. Bei dieser Preislage h\u00e4tte ich eigentlich etwas anderes erwartet, eventuell ist das der Tribut an die Tradition. Vielleicht auch bei Gew\u00f6hnung ganz gut. Wird sich finden. Wenn nicht wird operiert.<br \/>\nDie Umschaltung der Pickups geht \u00fcber die Reglerplatte vor sich. F\u00fcr mich bar jeder Ergonomie. Gr\u00fcndlicher kann man den Spielfluss nur mit einem PRS-5weg-Drehschalter unterbrechen. Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, mal vorsichtig gesagt. Aber die Ergebnisse, wenn man die Pickups mischt sind &#8211; \u00fcberraschend und anders als \u00fcblich (Wer h\u00e4tte das gedacht). Aber ich werde mir jetzt nicht zu gitarrenpostillen\u00fcblichen Sprachverballhornungen wie &#8220;verschr\u00e4nkte Stimmlichkeit&#8221; oder &#8220;feste Strahlkraft&#8221; hinrei\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>Gew\u00f6hnung ist sowieso das Zauberwort. Gewicht, Mensur, Form, Pickupumschaltung, Spielgef\u00fchl &#8211; alles ganz anders als bei den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen. Na ja, eine entfernte Verwandschaft zu Gretsch k\u00f6nnte man vielleicht noch ansatzweise attestieren. So als angeheirateter ausgewanderter Ururgro\u00dfneffe. Den w\u00fcrde ich auf der Stra\u00dfe auch nicht erkennen, wenn ich es nicht w\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>Die Club 50 hat daf\u00fcr gesorgt, da\u00df ich am Samstag um 19:00 anfing und um 23:00 aufgeh\u00f6rt habe, mit bl\u00f6dem Blick und leise sabbernd vor mich hin zu dudeln. So etwas gab es schon lange nicht mehr. Wenn das so weitergeht, kann es nicht lange dauern mit der Gew\u00f6hnung. Hoffentlich geht wenigstens das Sabbern wieder weg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe wie auch letztes Jahr \u00fcber zwei Tage verteilt mehrere Slots auf der Countrymesse gespielt, und in den ewigen Spielpausen h\u00e4ngt man dann eben auch bei den Jungs von H\u00f6fner ab, schnorrt Salzstangen\u00a0und befingert, was so rumsteht. 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